KURZE GESCHICHTE UNSERES WALDES



Der Wald wie er heute existiert, entstand vor ungefähr 2-3Mio. Jahren, kurz nach dem das damals noch tropisch heiße Europa durch einen gewaltigen Temperaturrückgang nach und nach kälter wurde. Über die Ursache des damaligen Klimawandels ist genauso wenig bekannt bzw. wird genauso viel spekuliert wie bei dem heutigen Klimawandel.


Vor etwa 600.000 Jahren setzte dann die Periode der Eiszeiten ein, die mit Unterbrechungen ungefähr vor 14.000 Jahren endete. Mit dem Rückzug des Eises setzte dann allmählich eine Wiederbewaldung ein. Durch die stetige Erwärmung entwickelte sich über Jahrtausende aus der mit kargen Sträuchern bedeckten Kältesteppe ein erster Pionierwald mit Birke, Aspe und Kiefer. Unter dessen Schirm stellten sich dann die wärmeliebenden Laubbaumarten wie Eiche, Esche, Ulme und Ahorn ein, so dass man sagen kann, dass sich vor etwa 7.000 Jahren diverse Waldtypen heraus differenzierten. Bis hierhin hatte der Mensch noch keinen wesentlichen Einfluss auf den Wald.


Durch diese natürliche Waldentwicklung waren so bis vor etwa 2.000 Jahren standortsangepasste Naturwälder entstanden. Es war dann die Zeit der Römer die um die Zeit Christus Geburt im Süden Deutschlands ihr Unwesen trieben und südlich des Limes eine Wald- Feld- Verteilung schufen, die der heutigen gleicht. Nördlich der römischen Grenzen war Deutschland bis vor 1.600 Jahren noch fast ausschließlich Waldland. Ab dem 5. bis ins 14. Jahrhundert hinein fanden dann insgesamt drei große Rodungsperioden statt. Es entstand eine Waldverteilung die der heutigen gleicht, ursprüngliche, naturbelassene Wälder waren nun kaum mehr vorhanden und auch herrenlosen Wald gab es nicht mehr.


Um 1500 herum gab es dann die erste akute Holznot. Das war auch die Zeit, in der es eine deutliche Verschlechterung des Klimas gab, man spricht von der "kleinen Eiszeit". In Verbindung mit dem damaligen katastrophalen Zustand der Wälder eine wahre Weltuntergangsstimmung. Nun fließender Übergang zu einer geordneten Waldwirtschaft, erste Forstordnungen entstehen. Zur damaligen und bisherigen Waldnutzungsform Plenterwirtschaft kam nun die flächenweise Schlagwirtschaft (bis heute) hinzu. Im 14. Jahrhundert erste Eichen- Pflanzungen, Laubholz- Saaten und Ertragsregelungen. Aufbau der großen Städte und Flotten. Salinenbetrieb und Glasmanufakturen nehmen zu. Verstärkung des Bergbaus mit einher gehender Verschärfung der Holznot.


Ab dem 18. Jahrhundert Reaktion auf die Holznot durch planmäßige Forstwirtschaft. Planung der Waldbestände in Bezug auf nachhaltige Nutzung. Trendverschiebung von Laubholz- zu Nadelholz- Bestockungen. Nach dem 30- jährigen Krieg und der fürstliche Jagdaufwand tritt gegenüber forstlichen Belangen in den Vordergrund. Waldweiden, Holzhandel, Holztransport, sowie Wild und Jagd nehmen starken Einfluss auf den Wald. Forstliche Lehrstätten, Meisterschulen und Forstwissenschaften entstehen.


Mit der industriellen Revolution und der Rationalisierung der Landwirtschaft  wird die Forstwirtschaft bzw. die Entwicklung der Wälder wieder stark beeinflusst. Veränderung der Holzverwendung von Brenn- zu Nutzholz.  Deutschland ist nun Holzimportland. Massenvermehrung durch Insekten nehmen zu. Das Model "Dauerwald" kommt zur Diskussion. Reaktion durch wachsende Ansprüche der Gesellschaft an den Wald. zunehmende Waldbauprobleme durch Wild, Stickstoff- und Säureeinträge und Bodenversauerung. 


Ab Mitte des 20. Jahrhunderts Wandel der Ansprüche der Gesellschaft. Angestrebt wird nun die Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktion des Waldes. Nachhaltig, umweltverträgliche und ökologisch orientierte Waldwirtschaft. Mit dem Bundeswaldgesetz 1975  entsteht erstmals ein umfassendes deutsches Forstgesetz. Bedenkt man, dass die Zeiten aktuter Holznot noch gar nicht solange her sind, kann man mit Stolz und Freude auf unsere heutigen Waldbilder schauen. Die Waldfläche, das Durchschittsalter, die Holzmenge, der Zuwachs und die Artenvielfalt nehmen von Jahr zu Jahr zu.


Quellen: Der Forstwirt (Ulmer), Geschichte des Waldes (Beck), Forstgeschichte (Kessel), Forstchronik (ThüringenForst)